Vor drei oder vier Monaten habe ich meinen ersten Artikel über die Zero Waste Bewegung gelesen, seitdem schwirrt es mir im Kopf rum… Zero Waste?!…Bewundernswert!… Ein Leben komplett ohne Müll zu produzieren? Es kommen viele Fragen in meinem Kopf auf: Wie schafft man es im Alltag gar keinen Müll zu produzieren? Was genau heißt das denn überhaupt? Füllt man die Lebensmittel, die man im Laden kauft noch vor Ort in mitgebrachte Einmachgläser und überlässt die Müllentsorgung dem Supermarkt? Darf man überhaupt noch in „normale“ Supermärkte gehen? Wie macht man das auf Reisen? Ist dieser Weg auch mit Kindern realisierbar und wie überzeugt man seinen Partner davon?

Im Radio habe ich gehört, dass es mittlerweile in Berlin, Kiel und Bonn Biosupermärkte gibt, die ein verpackungsfreies Angebotsformat für sich entwickelt haben. Man bringt seine eigenen Behältnisse mit oder leiht sich gegen eine Pfandgebühr im Laden Behälter, nimmt sich exakt soviel, wie man haben möchte und bezahlt nur für die Ware und nicht für die Verpackung. Klingt toll! Leider gibt es in Köln keinen verpackungsfreien Supermarkt. Wie können die Leute hier müllfrei einkaufen? Ein Ansatz dafür ist zum Beispiel das Gemüseabo. In der Umgebung Kölns gibt es genug Anbieter, die einmal die Woche ihre Kunden auf Wunsch mit frischen Gemüse, Obst, Käse, Wurst etc. beliefern. Die Angebote sind meist regional und bio! Natürlich kann man auch in die normalen Supermärkte gehen und sich an der Frischetheke Wurst und Käse in mitgebrachte Behälter füllen lassen. …. aber wie läuft es mit den vielen anderen Lebensmitteln? Joghurt und Obst kann man in Gläsern kaufen – nicht müllfrei, aber immerhin direkt zurückführbar in den Wertstoffkreislauf. Und Pasta? Reis? Und die ganzen Kosmetikprodukte? Putzmittel?

Bea Johnson ist mittlerweile eine der Vorreiterinnen der Zero Waste Bewegung. Die gebürtige Französin lebt mit ihrem Ehemann und ihren beiden Söhnen in Kalifornien und die ganze Familie produziert im Jahr ungefähr ein Einmachglas an Müll. (Laut einem Artikel der Süddeutschen im Juli 2014 lag der Müllverbrauch der Deutschen im Jahr 2012 bei 611 kg Müll pro Kopf – d.h. 1,7 kg pro Tag!! Damit lagen wir über dem EU Durchschnitt von 492 kg.)

Also Hut ab, Mrs. Johnson! Es handelt sich bei dieser Familie auch nicht um eine abgefahrene Hippiefamilie, die irgendwo im Off ihr Aussteigerleben lebt, wie es viele vielleicht meinen mögen. Nein, Familie Johnson lebt in einem schicken Haus in der Nähe von San Francisco, fährt Auto und geht ihren Jobs nach. Sie produzieren nur einfach keinen Müll. Natürlich dauert es etwas Zeit, das Leben umzustellen, erklärt sie, jedoch spart ihre Familie durch diesen Wandel viel Geld und – was noch wichtiger ist, sehr viel Zeit! Auf ihrem Blog: ZeroWasteHome gibt sie diverse hilfreiche Tipps, um ein müllfreies Leben umzusetzen. Ein weiteres tolles Beispiel ist die junge New Yorkerin Lauren Singer, die seit zwei Jahren ein müllfreies Leben in New York City führt, auch sie führt einen interessanten Blog mit hilfreichen Inspirationen zu diesem Thema.

Also für mich wird jetzt erst mal der Schritt Richtung Zero Plastic gegangen. Nach und nach werde ich versuchen mein Leben komplett auf Zero Waste umstellen, allerdings muss ich dafür auch meine Familie überzeugen. Wir leben schon sehr umweltbewusst, aber doch leider noch weit davon entfernt, es müllfrei bezeichnen zu können. Ich werde versuchen, so viel Müll wie möglich direkt im Supermarkt zu lassen womit man sicher auch schon ein Zeichen gibt. Wenn alle Leute das machen würden, läge ein anderer Druck seitens der Supermärkte auf der Verpackungsindustrie, da es natürlich auch mit hohen Kosten verbunden ist, den Müll zu entsorgen.

Auf jeden Fall macht es mir großen Mut zu sehen, dass es Menschen gibt, die diese Herausforderung gemeistert haben und ihre Erfahrungen an andere weitergeben. Ich hoffe, dass immer mehr Menschen dazu inspiriert werden oder zumindest anfangen über ihren Müllkonsum im Alltag nachzudenken. Das ist schon mal ein riesiger Schritt in die richtige Richtung! Ganz nach dem Motto: ….. jeden Tag ein bisschen Meer!

 

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