Hallo! Nach einer Babypause endlich wieder da! Na klar werde ich mir aber nun wieder viel Mühe geben, den Blog neu zu beleben um das Thema Meeresschutz in kleinen Schritten neu anzuregen, weiterzugeben und zu verbreiten! Hier endlich das Interview mit ergobag (jetzt: FOND OF BAGS) Das Interview habe ich bereits im Dezember geführt. Mein wirklich netter und zuvorkommender Gesprächspartner war Micha Damm. Ich habe mich für dieses Interview entschieden, da ich 2010 Ergobag auf der Ökorausch in Köln getroffen habe und ganz fasziniert war von der Idee. Sie entwickelten Kinderrucksäcke aus recycelten PET Flaschen. Zwei Jahre später befand ich mich selber in der Situation einen Rucksack für meine Tochter kaufen zu müssen und stieß wieder auf Ergobag. Nicht nur dass die Rucksäcke genau nach meinem Gusto fabriziert werden, nein, sie waren sogar wirklich schön und unfassbar gut vom ergonomischen Aspekt.

Siri: Ich habe Euch vor Jahren auf der Nachhaltigkeitsmesse in Köln getroffen, da wart ihr noch ein kleines, überschaubares Unternehmen. Nun komme ich heute zu unserem Termin und muss nicht schlecht staunen. Ihr seid stark gewachsen die letzten Jahre und aus dem kleinen Startup, der ergobag GmbH, ist nun ein Mittelständisches Unternehmen mit 7 Brands, die F. O. BAGS GmbH, geworden. Herzlichen Glückwunsch! Ich bin nach wie vor begeistert von der Idee aus den recycelten Flaschen so tolle Rucksäcke herzustellen. Wunderbare Idee!

EB: Recycling aus PET ist nicht neu, damals waren es die Billigklamotten bei KIK, die aus recyceltem Plastik zu günstigem Polyester verarbeitet wurden. Der Unterschied ist: Damals war es ein Abfallprodukt, mittlerweile ist es ein Rohstoff. Daher sind die Preise heute auch deutlich höher als für frisches Polyester, d.h. heute zahlen wir mehr Geld für das recycelte als für das aus Rohöl hergestellte Material. Bedingt durch das alte Spiel von Angebot und Nachfrage.

Siri: Woher kommen die PET-Flaschen aus denen Ihr zum Beispiel Euren ergobag herstellen lasst?

EB: Die Flaschen kommen zu 90% aus dem taiwanesischen Raum. Letztes Jahr war ein Mitarbeiter vor Ort und hat sich die ganze Produktionskette und damit einhergehend alle Produktionsbetriebe genau angeschaut. Nun gibt es für uns hier in Köln Namen und Gesichter unserer Kollegen in den Produktionsstätten und auch Bilder der einzelnen Arbeitsschritte. Das war uns sehr wichtig, da es während der kompletten Produktionskette einige verschiedene Betriebe gibt und wir ein großes Interesse daran haben, unsere Produzenten und deren Mitarbeiter und Arbeitsweisen zu kennen. Hauptanliegen des Besuchs war allerdings, dass wir schauen, wo die Plastikflaschen herkommen. Taiwan ist ein technisch hoch entwickeltes Land mit einem sehr modernen und etablierten und staatlich subventioniertem Pfandsystem und strengen staatlichen Kontrollen, d.h. zum Beispiel Kameraüberwachung in jedem Recyclingbetrieb.

Siri: Erzählt mir doch etwas über die Produktion!

EB: Die Stoffe sind das Herz unserer Rucksäcke. Wir legen, neben der Produktion aus PET-Flaschen auch viel Wert auf ein besonderes Design. Ein wichtiger Faktor neben dem Recycling von PET Flaschen ist für uns, dass keine Chemikalien in dem Material enthalten sind. Das gewährleisten wir durch das bluesign® System („Das bluesign® System garantiert, dass die mit dem Label ausgezeichneten und vertriebenen Produkte in der gesamten Herstellungskette ausschließlich Komponenten enthalten und Prozesse durchlaufen, die für Mensch und Umwelt unbedenklich sind.“ Zitiat der bluesign® Seite). Dadurch wird garantiert, dass zum Beispiel keine der stark giftigen Azofarbstoffe in den Stoffen enthalten sind. Diese können auch ins Grundwasser gelangen indem man sie einfach herauswäscht. Produzenten, die dem bluesign® System angehören, dürfen diese Stoffe von Anfang an nicht in die Ursprungschemie mischen. Man geht sozusagen ganz zurück in die erste Zusammensetzung der Chemikalien.

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Dann kommen die Stoffe nach Vietnam, dort fertigen drei Produzentenfünf unserer Marken. Wir kennen alle Produzenten persönlich und sind mit der Zusammenarbeit seit 4 Jahren sehr zufrieden, kennen Qualität und Zulieferer. Das sind alles auch Firmen, die für große Outdoorhersteller produzieren. So können wir als ‚soziale Trittbrettfahrer‘ unterwegs sein, da die Fair Wear Foundation in diesem Betrieben bereits ihre Standards umsetzen konnte. Dabei handelt es sich um den strengsten sozialen Standard den es gibt. Sie führen ein sehr ausführliches Audit durch. Das besondere daran ist, dass das Audit schon einen Schritt vorher beginnt. Zum Beispiel machen sie über drei Tage hinweg ‚Worker Interviews’ außerhalb des Betriebs. Sie reden mit den Obstverkäufern auf der Straße vor der Fabrik und lassen sich erzählen, wann die Arbeiter kommen, wann sie gehen, fragen nach sozialen Missständen, Bildung von Gewerkschaften und all diese Themen. Sie selbst sagen von sich, dass sie schon 80% über den Betrieb wissen, bevor das Audit überhaupt beginnt. Dann folgt der ‚corrective action plan’ mit dem mit Produzent und Fabrik zusammen eventuelle Verbesserungen besprochen und entwickelt werden. Sehr teuer, aber das momentan beste System. Das ist bei unseren beiden größten Produzenten der Fall. Der dritte Produzent Affenzahn ist ein sehr kleiner Betrieb, mit 40 Näherinnen (bei den anderen: 1000 – 1500). Bei diesem Betrieb handelt es sich um einen Freund des Affenzahn-Entwicklers. Auch er ist sehr darum bemüht, gute Arbeitsbedingungen für seine MitarbeiterInnen zu schaffent. Bei Besuchen bekommt man eine gute Stimmung mit, das Radio läuft und die Leute singen mit, grüßen freundlich und lachen. Von der Arbeitssicherheit und den Löhnen sind wir auf einem sehr guten Niveau. (Anm.: Mittlerweile hat FOND OF BAGS selber 3 Audits nach dem o.g. Standard durchgeführt. Bis Mitte 2019 sollen alle Nähereien auditiert sein.

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EB: Dafür gibt es viele Faktoren, zum einen logistische: Wo findet man hier eine Fabrik mit tausend Näherinnen. Zum anderen ist beispielsweise der ergobag ein sehr komplexes Produkt. Alleine das Rückenpolster besteht aus vielen verschieden Schäumen, die ineinander vernäht werden und in Europa fehlt oft das Knowhow. Dann kommt für alle kleinen Einzelteile (Klettis, Reißverschlüsse, Innenlining etc.) dazu: Das sind alles Zulieferer, die in Vietnam sitzen, da dort seit Jahren alle Outdoormarken angesiedelt sind. Wahrscheinlich würde es hier auch an den Kapazitäten scheitern. Alleine ergobag und satch machen 400 000 Taschen im Jahr aus, die produziert werden müssen. Wir haben die Idee, wir leben in einer globalisierten Welt und wenn der Arbeitsplatz in Asien gut ist, warum soll er dann hier rüber geholt werden. Es schafft ja auch faire und sozial stabile Arbeitsplätze in Asien.

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Siri: Die Transportwege fallen halt an. Cyrill Gutsch hat überlegt Leerfahrten von Frachtern für Plastikmüll zu nutzen, um diesen zu Recyclingfabriken transportieren zu können. Das wäre für euch vielleicht auch interessant.

EB: Leerfahrten gehen wahrscheinlich eher von Europa nach Asien…. und dann beladen wieder zurück, also wäre das schwierig für uns.

EB: Der Transportweg ist der nächste Schritt, da gibt es auch verschiedene Möglichkeiten. Die erste Möglichkeit ist das Fliegen – nutzen wir auch, zum Beispiel für Muster die wir anfordern. Davon wollen wir allerdings eher wegkommen. Leider lässt es sich manchmal aus ökonomischer Sicht nicht vermeiden, wir brauchen Vertriebssamples, damit die Vertriebler starten und in den in den Verkauf gehen können. Luftfracht ist in diesem Fall natürlich der schnellste Weg. Das vom ökologischen Aspekt her Gute ist, dass der Luftweg der teuerste Weg ist, was dann natürlich das ökonomische Interesse an Alternativen fördert. 2. Möglichkeit sind Frachter – daher versuchen wir möglichst viel mit dem Schiff hier herüber zu bringen, das dauert ca. vier Wochen kommt dann in Duisburg an und wird mit der Barke, also einem Binnenschiff, bis in die Nähe von Bergheim gebracht. Dort haben wir ein großes Lager, ein weiteres befindet sich in Duisburg selbst. Die dritte Transportmöglichkeit ist die Bahn – das dauert viel länger und ist viel teurer, die Route verläuft von Südchina mit der Transsibirischen Bahn über den Balkan nach Duisburg. Von hier aus wird die Ware dann an die europäischen Länder weiter exportiert. Wir haben auch viele Länder in Asien, die wir beliefern. Mittlerweile sind es 22 Länder. Wir sind also international sehr gut aufgestellt.

Siri: Und ist der Umweltaspekt eines der Hauptverkaufsargumente?

E.B.: Der Punkt Umwelt ist gar nicht das Hauptargument. Er ist eher „die Kirsche auf der Sahne auf dem Erdbeertörtchen“. Ich könnte Dir stundenlang erklären, wie toll unsere Produkte sind, wie sie funktionieren, wie sie aufgebaut sind…. Der Punkt Nachhaltigkeit bei unserer Produktion geht eher in die Kategorie ‚nice to have’. Eltern ist es in erster Linie wichtig, was der Rucksack oder die Tasche kann, wie ergonomisch sie sind und ob es dem Kind gefällt. Wenn man die Google Suchanfragen beobachtet, sieht man, dass Nachhaltigkeit kaum eine Rolle spielt. Wenn wir mit den Händlern sprechen ist der wichtigste Punkt die Ergonomie, der zweitwichtigste Punkt das Aussehen und dann kommt erst die Nachhaltigkeit. Allerdings ist es so, dass es bei der Marke positiv mitschwingt. Die Marke hat ein junges und freundliches Image und da wird ‚grünes Danken und Handeln’ oft einfach erwartet. Es gibt kaum Startups, die keine Nachhaltigkeitsaspekte mit einbeziehen. Anders ist es bei unserer Marke pinqponq, eher eine Lifestyle Marke, dort ist dieses Thema viel relevanter. Die Händler fragen direkt, wie es mit der Produktion aussieht und die Endkunden wollen viel mehr Details wissen als es bei ergobag und satch der Fall ist.

Siri: Was ist denn an den Rucksäcken alles aus recyceltem Material?

E.B.: Alle bedruckten Oberstoffe sind recycelt. Der Innenstoff ist zwar auch aus Polyester, aber nicht aus recyceltem. Bei der Marke Affenzahn sind 50 % recycelt. Da ist der Stoff aus 50% recyceltem und 50% frischem Garn produziert.

Siri: Wie kam die Idee zustande? Sind die Gründer Backpacker mit einem Weltverbesserungstrieb oder haben sie Produktdesign studiert?

 

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E.B.: Nein, gar nicht…. Florian, Sven und Oliver sind eher Gründer, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort warenDie Ergonomie war der Hauptfokus.

Im Bergsport gibt es so tolle Rückensysteme, warum gibt es die nicht für Schulkinder, warum müssen es immer die Kästen sein, die schwer am Rücken hängen. Dann trafen sie auf einen Rucksackdesigner, der schon Erfahrungen von Jack Wolfskin mitbrachte. Das Eine kam zum Anderen – die Idee mit dem PET Recycling war auch von Anfang an dabei, damals war es aber auch einfach der Gedanke: wir sind jung und möchten diesen grünen Aspekt. Die Frage war: wo haben wir den größten Einfluss und das war beim PET-Recycling und dem bluesign® System. Der Fachhandel ist auch eine wichtige Stütze, da das Produkt sehr beratungsintensiv ist und weniger über den Onlinehandel läuft.. Das macht Spaß und ohne unsere Partner im Fachhandel wären wir wahrscheinlich nicht dort, wo wir heute sind.

IMG_0202Herzlichen Dank an Fond of the Bags!! Weiter so…. jeden Tag ein bisschen Meer!

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Aufklärung, Sortieren, Wiederverwertung! ... See MoreSee Less

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Seaandthecity hat BBC News The huge mass of plastic waste floating in the Caribbean geteilt. ... See MoreSee Less

A colossal ‘sea of plastic’ which stretches for miles has been found floating in the Caribbean. So is it time to change our plastic bottle behaviour? (Via BBC Radio 5 live)

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