Dieses Jahr wurde der Sommerurlaub auf Kreta verbracht. Ich hätte auch gerne aufs Fliegen verzichtet, aber da ich in unserer Familie nicht alleine die Urlaubsplanung übernehmen kann, kam es nun so… Kreta, 100%ige Sonnengarantie, Meer, leckeres Essen und unfassbar freundliche Menschen. Die ersten drei Nächte verbrachten wir im Landesinneren. Über eine gute Freundin sind wir dann an ein wunderschönes Haus direkt an der Südküste gekommen. Auf dem Weg dorthin lief es mir unwillkürlich kalt den Rücken hinunter, als wir durch eine ältere Gewächshausanlage fuhren. Direkt an der Küste lagen die Gewächshäuser des letzten Sommers.

Trostlos, ähnlich wie Zombies, harren sie dort und sind Wind und Wetter ausgesetzt.

 

Ist das Wetter etwas rauer, schafft es der Sturm immer wieder größere Plastikfetzen mit sich zu nehmen und sie entweder in den nächsten Busch als Zwischenstation zu wehen oder direkt als Beute mit ins Meer zu nehmen – hier ist dann Endstation. Ich frage mich, seit wie vielen Jahren dieses Spiel sich hier wohl schon so abspielt! Hinter dem Haus zieht sich die wunderschöne Steilküste den Berg entlang bis sie irgendwann durch eine Kurve aus dem Blickfeld verschwindet. In diese Richtung kann man weitere Gewächshäuser erkennen, teils neu, teils ebenso verwildert wie die neben unserem Haus. Sie scheinen sich geradezu schutzsuchend an den Berg zu schmiegen um dem rauen Seewind etwas zu entkommen.

 

Geht man die Steilküste hinab zum Meer kann man den Weg der verwehten Plastikplanen wunderbar verfolgen. Wird ein größeres Stück abgerissen, ist der nächste Stopp in den Büschen und von dort aus findet es sicher und zielstrebig den weg ins Wasser, auf geht die Reise. An etwas windgeschützteren Stellen kann man teilweise die Ablagerungen aus vergangenen Jahren erkennen.

Dabei bietet die Firma, die diese Abdeckplanen vertreibt einen prima Service im Sinne des Umweltschutzes an: Man kann die Planen nach Saisonende wieder zusammenrollen und sogar in der Nähe abgeben. Die Firma nimmt sie zurück und sie wird nach Athen zur Weiterverarbeitung geschickt. Nur tut das niemand. Zuviel Arbeit? Vergessen?

Hier an der wunderschön rauen Küste trifft das Plastik vom Landesinneren auf Kollegen, die vom Meer hier angespült werden. Unendlich viele Kaffeebecher, Teile von Fischernetzen, Nylonseile, Schuhe… Massen an Accessoires unserer Überverpackten Konsumgesellschaft.

Ein unfassbares Gefühl der Hilflosigkeit überkommt mich…. Wie soll die Menschheit das jemals in den Griff bekommen, wenn tagtäglich weitere Tonnen an Plastik im Meer landen? Was bringt es angesichts dem Anblick hier, dass ich mir morgens meinen Kaffee im Thermobecher mitnehme statt einen Coffee to Go zu holen? Kommt es mir nur so vor als ob ein Umdenken in die richtige Richtung stattfindet, da ich kritischen Freundeskreis zu Hause habe? Dies hier vor meinen Augen ist nur ein winzig kleiner Bruchteil dessen, was tagtäglich in den Weltmeeren landet.

Warum gibt es auf EU politischer Ebene keine Instanzen, die versuchen dieses Desaster in den Griff zu bekommen? Da darf Ferrero und Co. weiter Süßigkeiten auf den Markt bringen, deren Verpackung dem Prinzip einer russischen Matroschka entspricht? Warum wird dem Verpackungswahn der Industrie nicht gesetzlich Einhalt geboten?

Es sind einzelne Personen, NGOs und private Gruppen, die sich wirklich mit dem Plastikproblem in den Meeren beschäftigen, aber wo bleiben die großen Konzerne und die Lobbyisten, die große Mitschuld an dieser Situation tragen? Es kann doch nicht sein, dass sich wirklich niemand auf Produzentenseite dafür verantwortlich fühlt bzw. gesetzlich in die Verantwortung gezogen wird.

Doch es gibt auch etwas Licht am Horizont. Pioniere auf der Ebene die doch einiges bewirken können. Boyan Slat, Parley for the Oceans, Sea Shepard und Greenpeace sind nur ein paar Beispiele. Es gibt immer mehr Aktivisten, die sich mit dem Thema beschäftigen! Ich hoffe ich werde hier noch viele solche Projekte vorstellen können! Also den Mut nicht aufgeben und weiter kritisch sein.

….. jeden Tag ein bisschen Meer!

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