2014 sah man das musikalische Supertalent Pharell Williams erstmals lässig von den GStar Werbeplakaten auf uns herabschauen. Der blaue Hintergrund und die hippen Zeichnungen von Tintenfischen und Plastikflaschen lassen schnell durchblicken, diesmal geht es nicht um Beats und Rap, sondern diesmal steht das Gesicht des smarten Musikers für den Schutz der Meere. ‚Raw for the Oceans’ heißt die Kampagne. Hier endet das Treibgut Plastik aus den Meeren in einer coolen Kollektion des niederländischen Modelabels GStar. Entstanden ist dieses Projekt in Zusammenarbeit mit Pharell Williams, den Materialentwicklern der New Yorker Agentur Bionic, von der Williams auch Teilhaber ist und Cyrill Gutsch. Gyrill Gutsch ist Initiator des Ganzen. Nach einem Treffen im Jahre 2012 mit Paul Watson, dem Begründer der bekannten Meereschutzorganisation Sea Sheperd, rief 2013 die Konferenz ‚Parley for the Oceans‘ins Leben. Ein Zusammenschluss aus Entscheidungsträgern und Kreativen, die gemeinsam das Bewusstsein für den Erhalt der Weltmeere in den Focus rücken wollen und an Strategien arbeiten, wie sich Dinge in die Richtung verändern lassen. Auch andere Marken wie zum Beispiel Adidas oder Levi’s mit ihrer ‚Waste Less Kampagne’, in der 20 Prozent gebrauchte und wiederverwertete Inhaltsstoffe verwendet werden, springen auf den grünen Zug auf. ….

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Cyrill Gutsch arbeitet seit Jahren als Markenberater für große Unternehmen wie Adidas International, Siemens Mobile, BMW und viele mehr. Er weiß also sehr gut, dass Firmen und Menschen nur etwas verändern werden, wenn es für sie auch wirtschaftlich rentabel ist. Die Konsumenten müssen also endlich umdenken und nach Produkten verlangen, mit denen man ein rundum gutes Gewissen haben kann. Das kann entstehen, wenn vom Produzent die Transparenz gegeben wird, so dass man Schritt für Schritt die Produktionskette verfolgen kann, ganz ohne vor sich selber die schwarzen Löcher darin entschuldigen zu müssen. Oder wie es Pharell Williams laut dem Tagesspiegel ausdrückt: „Man muss Nachhaltigkeit einfach sexy machen!“

Nun gut, aber was steckt wirklich dahinter. Wie soll das laufen? Und ist es wirklich sexy Plastik zu tragen?

Dieses Garn – bionisches Garn*- ist ein besonders widerstandsfähiges Produkt, das es laut der ‚Zeit’ auch ermöglicht zweitklassiges Billigplastik zu verarbeiten. Im Hinblick auf die immer wachsende Nachfrage nach Baumwolle ein wichtiger Schritt, aber wahrscheinlich leider nicht die Wurzel des Problems. (Stellt sich die Frage, warum immer mehr Billig-Modeketten eröffnen und den jungen Leuten suggerieren: Wirklich hipp ist, wer sich einmal die Woche neu einkleidet! Da greift die ‚Geiz ist Geil Generation’ bei Primark &Co. doch mal beherzt zu…. Quantität statt Qualität.)

Das Plastik wird geschreddert und zu feinen Fasern verarbeitet, die mit einem Naturprodukt wie Baumwolle oder Seide zu einem angenehmen Stoff verarbeitet werden. So, dass in der Faser ca. 45% recyceltes Plastik enthalten ist.

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Das Plastik wird durch weltweite Projekte gesammelt und soll über Container Leerfahrten zu den jeweiligen Orten, an denen es weiterverarbeitet werden kann transportiert werden. Bisher gibt diese wohl nur in Amerika, China und Indonesien.

Natürlich gibt es auch hier kritische Stimmen. Laut der ‚Zeit’ sieht die Deutsche Umwelthilfe das Ganze sehr bedenklich. Durch die Wiederverwertung und das Waschen der Kleidung lösen sich Microplastikpartikel, die in den Meeren eh schon großen Schaden anrichten. Die Mikropartikel werden von Kleinstlebewesen aufgenommen und so gelangen sie in die Nahrungskette, wo sie am Ende auch auf unseren Tellern und in unserem Körper landen. In einem Artikel im SWR heißt es, dass die Flaschen aus Europa nach Asien geschifft, dort zu Garn verarbeitet und dann wieder zurückgebracht werden, was natürlich umwelttechnisch nicht rentabel ist. Werden jedoch Leerfahrten von Frachtern genutzt, könnte sich die Ökobilanz verbessern. Vielleicht wird es bald auch für kleinere Unternehmen lukrativ Plastik zu recyceln, so dass die weiten Transportwege ganz wegfallen könnten. Interessant ist natürlich auch, unter welchen umwelttechnischen Standards das Plastik in Asien und den Staaten recycelt wird. Sind die relativ hohen europäischen Standards ein Grund, warum es sich hier noch nicht etabliert hat? Man wird nur durch Erfahrungswerte etwas über die Ökobilanz und die Rentabilität sagen können.

Es gibt auch Stimmen, die sagen, so werde es dem Konsumenten unserer Wegwerfgesellschaft zu einfach gemacht. Da sich das Denken und Handeln eines jeden Einzelnen ändern müsse. Man sollte einfach WENIGER konsumieren und wegkommen von dem Konsumwahn.

Stimmt natürlich. Wäre das schönste Ziel und Ergebnis, aber so etwas wird leider nicht von heute auf morgen in den Köpfen unserer konsumorientierten Gesellschaft passieren. Dafür ist auch viel Aufklärungsarbeit nötig, was wiederum nicht im Interesse eines jeden Unternehmens sein wird. Immerhin profitiert noch die Mehrheit der Lobbyisten von dem maßlosen Konsum. Es wird ein langwieriger Prozess werden, solange nicht gesetzlich viel strengere Regelungen gesetzt werden. Der Kapitalismus unserer ausnahmslos gewinnorientierten Gesellschaft ist auf Konsum angelegt. Natürlich wissen das Gutsch &Co. auch. Solange diese Strukturen von oben her starr am Leben gehalten werden, ist Recycling Kleidung doch ein Versuch, der sich lohnen könnte.

Jeden Tag ein bisschen Meer……

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