Boyan Slat – sicher hat jeder von euch diesen Name in letzter Zeit einmal gehört. Boyan Slat, der vom Aussehen her ein wenig an den tapferen Frodo aus „Herr der Ringe“ erinnert. Der smarte Holländer und seinem Megaprojekt, das Ocean Cleanup Projek , mit dem er die Weltmeere in absehbarer Zeit von den unfassbaren Mengen an Plastikmüll säubern möchte.

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Vor drei Jahren stellte der damals 17 jährige seine Idee in der TEDx Show in Delft vor. Er berichtet davon wie er beim tauchen in Griechenland mehr Plastik zu sehen bekam als Fische. Getrieben von diesem Erlebnis und der Frage, warum niemand auf der Welt etwas gegen diese massive Verschmutzung der Meere unternimmt, arbeitet Slat Tag und Nacht an der Verwirklichung seiner Idee. Er entwickelt mit einem internationalen Team aus über 100 Freiwilligen, darunter viele Wissenschaftler aus verschiedenen Fachbereichen, die technische Umsetzung des Ocean Cleanup Konzepts.

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Von einer schwimmenden Plattform sollen zwei jeweils 50 Kilometer lange Arme abgehen, an denen eine drei Meter tiefe Plastikbarriere als Filter fungiert, die am Meeresboden in bis zu 4000 m Tiefe befestigt wird. Der treibende Plastikmüll wird durch diese in vorgesehene Filtertrichter gelenkt und so gesammelt, während Fische und Algen unter ihr hindurchschwimmen oder treiben können. In der mittigen Plattform wird der Plastikmüll gesammelt und alle paar Jahre entleert und an Land gebracht um dort recycelt zu werden, wodurch ein Teil der Kosten des Projekts gedeckt werden sollen.

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Ich möchte jetzt gar nicht zu sehr auf die Details der Konstruktion eingehen jedoch findet ihr unter den folgenden Links die über 500 Seiten lange Machbarkeitsstudie sowie die meistgestellten Fragen plus die Antworten dazu. (http://www.theoceancleanup.com/fileadmin/media-archive/theoceancleanup/press/downloads/TOC_Feasibility_study_lowres.pdf)

(Hier werden alle möglichen Fragen beantwortet: http://www.theoceancleanup.com/faq.html)

Slat stößt auf zunächst auf viel positive Resonanz, 2012 erhält er den ISea-Design_Preis und 2013 wird er beim Intl EYE50-Top-Thinkers Wettbewerb zu den „Most Promising Young Entreprneurs“ erklärt. Seine starke Internetpräsenz und extrem gute Social Media Arbeit verhelfen ihm zu einem schnell wachsenden Bekanntheitsgrad. 2014 bekommt Slat über eine Crowdfunding Kampagne in hundert Tagen 2 Millionen Dollar zusammen, die er benötigt um in die Pilotphase zu starten. Ein erster Testlauf fand im Gebiet der Azoren statt. Doch es gibt auch jede Menge Skeptiker aus den Reihen der Wissenschaft. Die Konstruktion könne den Wetterbedingungen auf hoher See niemals standhalten, heißt es.

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Laut der Machbarkeitsstudie ist dieser Punkt widerlegt. Slat nutzt Wissen und Materialien führender Unternehmen des Offshore Bauwesens. Zu 95% der Fälle sollte die Konstruktion halten, eine Garantie kann es natürlich nie geben…. (Man denke an die Titanic…) Manche Meereswissenschaftler befürchten, dass durch das Plastik auch viele wichtige Planktonarten und Bakterien, die das Plastik besiedeln, aus dem Meer genommen werden. Auch in diesem Falle beruhigt Slat die Kritiker, da falls dies der Fall sein sollte, die negative Auswirkung nicht stark ins Gewicht fallen werde. Größere Tiere oder Algen können unter dem drei Meter tiefen „Vorhang“ drunter herschwimmen bzw. treiben, da der Weg von dem Arm bis zu dem Container in der Plattform lang ist und Strömungswechsel selbst passive Schwimmer wieder nach unten befördern.

Nun zu dem Punkt, dass Slat der Plastikindustrie in die Arme spiele.

Hoffentlich wird fast allen von uns klar sein, dass sich im Verhalten der Menschen und vor allem der Industrielobby etwas verändern muss. Der Plastikkonsum MUSS massiv eingeschränkt werden, na klar! Nur wird dieses Umdenken leider eine Weile dauern dauern, da der Mensch durch Plastik auch viel Comfort und Bequemlichkeit erfährt, und die Lobbyisten kein großes Interesse an wirtschaftlicher Veränderung haben. Bis dahin ist das Ocean Cleanup Projekt einfach ein toller Ansatz, auch wenn es Kritik und Fragen hagelt, denen sich Slat jedoch gerne stellt! Gerade dadurch kann er sein Projekt mehr und mehr optimieren.

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2016 soll die erste Anlage in Einsatz kommen. Sie wird mit einer Länge von 2000 Metern als bisher längstes schwimmendes Konstrukt in den Gewässern zwischen Japan und Südkorea aufgestellt werden und Boyan Slat und sein Team einen weiteren Schritt in Richtung weltweiter Realisierung des Projekts bringen. Innerhalb der nächsten fünf Jahre wollen sie eine 100 Kilometer lange Vorrichtung zwischen Hawaii und Kalifornien errichten um die Hälfte des Great Pacific Garbage Patch zu beseitigen. Die Kosten für die Testkonstruktion in Asien liegen liegen laut Spiegel bei 250 Millionen Euro. Das klingt viel, wenn man jedoch bedenkt, dass der G7 Gipfel in Bayern 350 Millionen Euro gekostet hat. 350 Millionen Euro dafür, dass sich sieben Regierungschefs zwei Tage getroffen haben um…. ja was eigentlich nochmal?????