Ein wesentlicher Aspekt des verantwortungsvollen Umgangs mit Müll ist natürlich die Mülltrennung. Ich als Freiburgerin bin mit einem Überbewusstsein für eine extrem penible Sortierung des Mülls aufgewachsen …. diese Verantwortung wird uns praktisch in die Wiege gelegt. In meiner Zeit in Spanien wurde ich nicht selten damit aufgezogen, dass Mülltrennung wohl eine der „extrem typisch deutschen Dinge“ sei! Nun …. ist das wirklich so? Trennen wir Deutschen den Müll mehr als unsere europäischen Nachbarn? Und bringt das denn dann auch was?

Erst mal stellt sich die Frage, was genau versteht man unter Recycling? Welche Stoffe werden oder können überhaupt recycelt werden?

Entstanden ist die Idee im Jahre 1991, als die neue Verpackungsordnung die Verpackungsindustrie in die Verantwortung nahm, auf den Markt gebrachte Kunststoffabfälle wieder zurückzunehmen und sich an der Entsorgung zu beteiligen. Wir können uns alle sicher noch gut an den „Grünen Punkt“ erinnern, der plötzlich auf vielen Verpackungen zu finden war. Er bedeutete, dass die Verpackung in die Gelbe Tonne gehört, d.h. dass sie recycelt – also wiederverwertet werden kann. Es bedeutet auch, dass der Hersteller im Vorfeld dafür bezahlt hat, dass die Verpackung in das Wiederverwertungssystem zurückgeführt wird. Dieses Geld holt er sich natürlich durch den Marktpreis vom Endverbraucher zurück. Mittlerweile hat der Grüne Punkt seine Monopolstellung verloren und es werden auch Verpackungen ohne diese Markierung recycelt.

Unter Recycling versteht man die stoffliche Wiederverwertung der Materialien. Recycelt werden Kunststoffe, Aluminium und andere Metalle, Glas und Papier.

Für Papier werden natürlich Bäume gerodet – das weiß mittlerweile jedes Kind. Im Angesicht der Tatsache, dass der weltweite Baumbestand dramatisch zurückgegangen ist sollte jedem einleuchten, dass Recyclingpapier die bessere Wahl ist. Weniger bekannt ist leider, dass durch Recyclingpapier auch jede Menge Energie, Wasser und CO2 eingespart wird. Eine lohnenswerte Sache bei einem Verbrauch von 235 Kilo pro Person in Deutschland! Das Papier wird gesammelt, sortiert und durch eine spezielle Waschung von der Tinte befreit. Danach wird es getrocknet und geglättet – fertig!

Das Recyceln von Glas ist wohl die bekannteste Form der Wiederverwertung. Im Jahr 2013 wurden 83% des verkauften Glases in Deutschland recycelt. Altglas wird mit hochtechnischen Spezialreinigungsmaschinen gereinigt, eingeschmolzen mit natürlichen Rohstoffen wie Sand, Kalk und Soda versetzt und zu neuen Flaschen, Gläsern, etc. verarbeitet.

Die Wiederverwertung von Aluminium und anderen Metallen gehören zusammen zum Schrott – Recycling, eine der ältesten Formen der Wiederverwertung von kostbaren Wertstoffen. In Deutschland gibt es in manchen Dörfern in ländlichen Gegenden auch heute noch Schrottsammler, die von Tür zu Tür gehen und Altmetall sammeln. In anderen Ländern, gerade in Schwellenländern gehört das Sammeln von Schrott auch heute noch zu einer wichtigen Form und Möglichkeit sich den Lebensunterhalt zu verdienen. Die Metalle werden je nach Beschaffenheit erhitzt, die geschmolzene Masse von Verunreinigungen getrennt und neu aufbereitet.

Nun zu den Kunststoffen. Sie bestehen zu einem großen Teil aus aufbereitetem Erdöl, Wasser und jeder Menge Energie. Da unsere Rohstoffressourcen immer knapper und teurer werden, wird auch die Wiederverwertung von Verpackungsmaterialien immer interessanter und lohnenswerter für die Industrie. Hierbei gibt es zwei Arten des Recyclings, das werkstoffliche Recycling, d.h. der Kunststoff wird erhitzt, aufgearbeitet und neu verarbeitet. So, wie man sich klassisch das Recycling vorstellt. Die andere Art ist das rohstoffliche Recycling, d. h. das Material wird in seine einzelnen Sekundärrohstoffe zerlegt. Ein noch sehr kostspieliger und aufwendiger Weg, dennoch ein sehr sinnvoller.

Laut einem Artikel in der FAZ im Januar diesen Jahres wurden in Deutschland im Jahre 2013 5,6 Tonnen Kunststoffmüll produziert, von denen 99% in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt  und lediglich 1% deponiert wurden. Das klingt toll, aber halt …. das heißt leider nicht, dass 99% recycelt wurden. Vielmehr wurde der größte Teil d. h. 66% thermisch wiederverwertet. Wie oben schon beschrieben, bestehen die Kunststoffe zu einem großen Teil aus Erdöl, was sie natürlich auch zu einem wunderbaren Erdölersatz macht und so wird daraus durch Verbrennung Dampfenergie oder Strom gewonnen, besonders für Hochöfen, Zementwerke und Kraftwerke. Dadurch, dass es die billigste Form der Wiederverwertung ist, ist es in der Verpackungsindustrie leider auch die beliebteste. Weitere 32% wurden werkstofflich recycelt und 1% wird rohstofflich verarbeitet. Die EU arbeitet daran, die Rate der thermischen Wiederverwertung zu reduzieren und die Recyclingquoten zu erhöhen.

Deutschland, Österreich, Belgien, Dänemark und Schweden stehen an erster Stelle mit der Wiederverwertung der gesammelten Kunststoffe. Anders sieht es allerdings in den südlichen europäischen Ländern aus. Gerade für ärmere Länder sind Verbrennen und Deponieren des Mülls leider noch die attraktivsten Formen der Müllentsorgung. Laut der FAZ liegen die Deponierungsquoten dort bei bis zu 80 %. Auch Irland und Großbritannien liegen mit ca. 70% recht weit hinten.

Die EU denkt zwar über ein komplettes Deponierungsverbot von Kunststoffen, eine Steuer auf die thermische Verwertung sowie Zielvorgaben für das Recycling von Kunststoffabfällen bis zum Jahre 2020 nach, allerdings wurde dieser Versuch bisher noch verfehlt. Auch halten immer noch einige EU Mitgliedstaaten nicht das allgemein geltende EU Recht ein und haben ein stark divergierendes Interesse an diesen Zielen zu der Abfallpolitik. Leider gibt es noch immer zu wenig Kontrollen seitens der EU und die einzelnen Mitgliedstaaten verfügen bleibt zu viel Entscheidungsfreiraum selbst überlassen (Pfandsystem, mengenmäßige Abfallgebühren, kostenpflichtige Plastiktüten, etc.) um große Schritte in die richtige Richtung machen zu können. Hoffen wir, dass sich schnell einige Sachen ändern. ….. jeden Tag ein bisschen Meer!

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