Aus Flasche wird Rucksack

Hallo! Nach einer Babypause endlich wieder da! Na klar werde ich mir aber nun wieder viel Mühe geben, den Blog neu zu beleben um das Thema Meeresschutz in kleinen Schritten neu anzuregen, weiterzugeben und zu verbreiten! Hier endlich das Interview mit ergobag (jetzt: FOND OF BAGS) Das Interview habe ich bereits im Dezember geführt. Mein wirklich netter und zuvorkommender Gesprächspartner war Micha Damm. Ich habe mich für dieses Interview entschieden, da ich 2010 Ergobag auf der Ökorausch in Köln getroffen habe und ganz fasziniert war von der Idee. Sie entwickelten Kinderrucksäcke aus recycelten PET Flaschen. Zwei Jahre später befand ich mich selber in der Situation einen Rucksack für meine Tochter kaufen zu müssen und stieß wieder auf Ergobag. Nicht nur dass die Rucksäcke genau nach meinem Gusto fabriziert werden, nein, sie waren sogar wirklich schön und unfassbar gut vom ergonomischen Aspekt.

Siri: Ich habe Euch vor Jahren auf der Nachhaltigkeitsmesse in Köln getroffen, da wart ihr noch ein kleines, überschaubares Unternehmen. Nun komme ich heute zu unserem Termin und muss nicht schlecht staunen. Ihr seid stark gewachsen die letzten Jahre und aus dem kleinen Startup, der ergobag GmbH, ist nun ein Mittelständisches Unternehmen mit 7 Brands, die F. O. BAGS GmbH, geworden. Herzlichen Glückwunsch! Ich bin nach wie vor begeistert von der Idee aus den recycelten Flaschen so tolle Rucksäcke herzustellen. Wunderbare Idee!

EB: Recycling aus PET ist nicht neu, damals waren es die Billigklamotten bei KIK, die aus recyceltem Plastik zu günstigem Polyester verarbeitet wurden. Der Unterschied ist: Damals war es ein Abfallprodukt, mittlerweile ist es ein Rohstoff. Daher sind die Preise heute auch deutlich höher als für frisches Polyester, d.h. heute zahlen wir mehr Geld für das recycelte als für das aus Rohöl hergestellte Material. Bedingt durch das alte Spiel von Angebot und Nachfrage.

Siri: Woher kommen die PET-Flaschen aus denen Ihr zum Beispiel Euren ergobag herstellen lasst?

EB: Die Flaschen kommen zu 90% aus dem taiwanesischen Raum. Letztes Jahr war ein Mitarbeiter vor Ort und hat sich die ganze Produktionskette und damit einhergehend alle Produktionsbetriebe genau angeschaut. Nun gibt es für uns hier in Köln Namen und Gesichter unserer Kollegen in den Produktionsstätten und auch Bilder der einzelnen Arbeitsschritte. Das war uns sehr wichtig, da es während der kompletten Produktionskette einige verschiedene Betriebe gibt und wir ein großes Interesse daran haben, unsere Produzenten und deren Mitarbeiter und Arbeitsweisen zu kennen. Hauptanliegen des Besuchs war allerdings, dass wir schauen, wo die Plastikflaschen herkommen. Taiwan ist ein technisch hoch entwickeltes Land mit einem sehr modernen und etablierten und staatlich subventioniertem Pfandsystem und strengen staatlichen Kontrollen, d.h. zum Beispiel Kameraüberwachung in jedem Recyclingbetrieb.

Siri: Erzählt mir doch etwas über die Produktion!

EB: Die Stoffe sind das Herz unserer Rucksäcke. Wir legen, neben der Produktion aus PET-Flaschen auch viel Wert auf ein besonderes Design. Ein wichtiger Faktor neben dem Recycling von PET Flaschen ist für uns, dass keine Chemikalien in dem Material enthalten sind. Das gewährleisten wir durch das bluesign® System („Das bluesign® System garantiert, dass die mit dem Label ausgezeichneten und vertriebenen Produkte in der gesamten Herstellungskette ausschließlich Komponenten enthalten und Prozesse durchlaufen, die für Mensch und Umwelt unbedenklich sind.“ Zitiat der bluesign® Seite). Dadurch wird garantiert, dass zum Beispiel keine der stark giftigen Azofarbstoffe in den Stoffen enthalten sind. Diese können auch ins Grundwasser gelangen indem man sie einfach herauswäscht. Produzenten, die dem bluesign® System angehören, dürfen diese Stoffe von Anfang an nicht in die Ursprungschemie mischen. Man geht sozusagen ganz zurück in die erste Zusammensetzung der Chemikalien.

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Dann kommen die Stoffe nach Vietnam, dort fertigen drei Produzentenfünf unserer Marken. Wir kennen alle Produzenten persönlich und sind mit der Zusammenarbeit seit 4 Jahren sehr zufrieden, kennen Qualität und Zulieferer. Das sind alles auch Firmen, die für große Outdoorhersteller produzieren. So können wir als ‚soziale Trittbrettfahrer‘ unterwegs sein, da die Fair Wear Foundation in diesem Betrieben bereits ihre Standards umsetzen konnte. Dabei handelt es sich um den strengsten sozialen Standard den es gibt. Sie führen ein sehr ausführliches Audit durch. Das besondere daran ist, dass das Audit schon einen Schritt vorher beginnt. Zum Beispiel machen sie über drei Tage hinweg ‚Worker Interviews’ außerhalb des Betriebs. Sie reden mit den Obstverkäufern auf der Straße vor der Fabrik und lassen sich erzählen, wann die Arbeiter kommen, wann sie gehen, fragen nach sozialen Missständen, Bildung von Gewerkschaften und all diese Themen. Sie selbst sagen von sich, dass sie schon 80% über den Betrieb wissen, bevor das Audit überhaupt beginnt. Dann folgt der ‚corrective action plan’ mit dem mit Produzent und Fabrik zusammen eventuelle Verbesserungen besprochen und entwickelt werden. Sehr teuer, aber das momentan beste System. Das ist bei unseren beiden größten Produzenten der Fall. Der dritte Produzent Affenzahn ist ein sehr kleiner Betrieb, mit 40 Näherinnen (bei den anderen: 1000 – 1500). Bei diesem Betrieb handelt es sich um einen Freund des Affenzahn-Entwicklers. Auch er ist sehr darum bemüht, gute Arbeitsbedingungen für seine MitarbeiterInnen zu schaffent. Bei Besuchen bekommt man eine gute Stimmung mit, das Radio läuft und die Leute singen mit, grüßen freundlich und lachen. Von der Arbeitssicherheit und den Löhnen sind wir auf einem sehr guten Niveau. (Anm.: Mittlerweile hat FOND OF BAGS selber 3 Audits nach dem o.g. Standard durchgeführt. Bis Mitte 2019 sollen alle Nähereien auditiert sein.

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EB: Dafür gibt es viele Faktoren, zum einen logistische: Wo findet man hier eine Fabrik mit tausend Näherinnen. Zum anderen ist beispielsweise der ergobag ein sehr komplexes Produkt. Alleine das Rückenpolster besteht aus vielen verschieden Schäumen, die ineinander vernäht werden und in Europa fehlt oft das Knowhow. Dann kommt für alle kleinen Einzelteile (Klettis, Reißverschlüsse, Innenlining etc.) dazu: Das sind alles Zulieferer, die in Vietnam sitzen, da dort seit Jahren alle Outdoormarken angesiedelt sind. Wahrscheinlich würde es hier auch an den Kapazitäten scheitern. Alleine ergobag und satch machen 400 000 Taschen im Jahr aus, die produziert werden müssen. Wir haben die Idee, wir leben in einer globalisierten Welt und wenn der Arbeitsplatz in Asien gut ist, warum soll er dann hier rüber geholt werden. Es schafft ja auch faire und sozial stabile Arbeitsplätze in Asien.

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Siri: Die Transportwege fallen halt an. Cyrill Gutsch hat überlegt Leerfahrten von Frachtern für Plastikmüll zu nutzen, um diesen zu Recyclingfabriken transportieren zu können. Das wäre für euch vielleicht auch interessant.

EB: Leerfahrten gehen wahrscheinlich eher von Europa nach Asien…. und dann beladen wieder zurück, also wäre das schwierig für uns.

EB: Der Transportweg ist der nächste Schritt, da gibt es auch verschiedene Möglichkeiten. Die erste Möglichkeit ist das Fliegen – nutzen wir auch, zum Beispiel für Muster die wir anfordern. Davon wollen wir allerdings eher wegkommen. Leider lässt es sich manchmal aus ökonomischer Sicht nicht vermeiden, wir brauchen Vertriebssamples, damit die Vertriebler starten und in den in den Verkauf gehen können. Luftfracht ist in diesem Fall natürlich der schnellste Weg. Das vom ökologischen Aspekt her Gute ist, dass der Luftweg der teuerste Weg ist, was dann natürlich das ökonomische Interesse an Alternativen fördert. 2. Möglichkeit sind Frachter – daher versuchen wir möglichst viel mit dem Schiff hier herüber zu bringen, das dauert ca. vier Wochen kommt dann in Duisburg an und wird mit der Barke, also einem Binnenschiff, bis in die Nähe von Bergheim gebracht. Dort haben wir ein großes Lager, ein weiteres befindet sich in Duisburg selbst. Die dritte Transportmöglichkeit ist die Bahn – das dauert viel länger und ist viel teurer, die Route verläuft von Südchina mit der Transsibirischen Bahn über den Balkan nach Duisburg. Von hier aus wird die Ware dann an die europäischen Länder weiter exportiert. Wir haben auch viele Länder in Asien, die wir beliefern. Mittlerweile sind es 22 Länder. Wir sind also international sehr gut aufgestellt.

Siri: Und ist der Umweltaspekt eines der Hauptverkaufsargumente?

E.B.: Der Punkt Umwelt ist gar nicht das Hauptargument. Er ist eher „die Kirsche auf der Sahne auf dem Erdbeertörtchen“. Ich könnte Dir stundenlang erklären, wie toll unsere Produkte sind, wie sie funktionieren, wie sie aufgebaut sind…. Der Punkt Nachhaltigkeit bei unserer Produktion geht eher in die Kategorie ‚nice to have’. Eltern ist es in erster Linie wichtig, was der Rucksack oder die Tasche kann, wie ergonomisch sie sind und ob es dem Kind gefällt. Wenn man die Google Suchanfragen beobachtet, sieht man, dass Nachhaltigkeit kaum eine Rolle spielt. Wenn wir mit den Händlern sprechen ist der wichtigste Punkt die Ergonomie, der zweitwichtigste Punkt das Aussehen und dann kommt erst die Nachhaltigkeit. Allerdings ist es so, dass es bei der Marke positiv mitschwingt. Die Marke hat ein junges und freundliches Image und da wird ‚grünes Danken und Handeln’ oft einfach erwartet. Es gibt kaum Startups, die keine Nachhaltigkeitsaspekte mit einbeziehen. Anders ist es bei unserer Marke pinqponq, eher eine Lifestyle Marke, dort ist dieses Thema viel relevanter. Die Händler fragen direkt, wie es mit der Produktion aussieht und die Endkunden wollen viel mehr Details wissen als es bei ergobag und satch der Fall ist.

Siri: Was ist denn an den Rucksäcken alles aus recyceltem Material?

E.B.: Alle bedruckten Oberstoffe sind recycelt. Der Innenstoff ist zwar auch aus Polyester, aber nicht aus recyceltem. Bei der Marke Affenzahn sind 50 % recycelt. Da ist der Stoff aus 50% recyceltem und 50% frischem Garn produziert.

Siri: Wie kam die Idee zustande? Sind die Gründer Backpacker mit einem Weltverbesserungstrieb oder haben sie Produktdesign studiert?

 

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E.B.: Nein, gar nicht…. Florian, Sven und Oliver sind eher Gründer, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort warenDie Ergonomie war der Hauptfokus.

Im Bergsport gibt es so tolle Rückensysteme, warum gibt es die nicht für Schulkinder, warum müssen es immer die Kästen sein, die schwer am Rücken hängen. Dann trafen sie auf einen Rucksackdesigner, der schon Erfahrungen von Jack Wolfskin mitbrachte. Das Eine kam zum Anderen – die Idee mit dem PET Recycling war auch von Anfang an dabei, damals war es aber auch einfach der Gedanke: wir sind jung und möchten diesen grünen Aspekt. Die Frage war: wo haben wir den größten Einfluss und das war beim PET-Recycling und dem bluesign® System. Der Fachhandel ist auch eine wichtige Stütze, da das Produkt sehr beratungsintensiv ist und weniger über den Onlinehandel läuft.. Das macht Spaß und ohne unsere Partner im Fachhandel wären wir wahrscheinlich nicht dort, wo wir heute sind.

IMG_0202Herzlichen Dank an Fond of the Bags!! Weiter so…. jeden Tag ein bisschen Meer!

Traurig! ... See MoreSee Less

Filmed yesterday in Hong Kong. We always hear about plastic getting into our food supply, well here it is highlighted in its rawest form! Whilst immediate action needs to be taken by Governments, it is going to take every single one of us to stop and reverse this crisis. We need to change our habits and lifestyles and kick our addiction to single use plastic.

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Solche Aufnahmen bestärken meinen Wunsch die Meere zu schützen unglaublich!! ❤️❤️❤️❤️ ... See MoreSee Less

For a fishy Friday, meet the sea toad! Seen on August 6, 2016, during a remotely operated vehicle dive off of Wake Island. If you happened to see him live, take a moment to marvel at the technology that allowed you to see the fish less than a minute after it was encountered by the ROV, 2,240 meters below the water's surface in the middle of the Pacific Ocean: oceanexplorer.noaa.gov/okeanos/explorations/ex1606/logs/aug2/welcome.html [Video source: oceanexplorer.noaa.gov/okeanos/explorations/ex1606/dailyupdates/media/video/dive6/dive6.html]

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Seaandthecity hat UNEPs The World's Largest Beach Clean-Up geteilt. ... See MoreSee Less

1 week, 610,000 kg of trash cleaned. United Nations Patron of the Ocean Lewis Pugh joined local volunteers in Mumbai, India last weekend to take part in the world's largest beach clean-up. Watch to understand the power of the collective to bring positive change for our environment.

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"Every single time I go for a surf or a swim in the ocean in Southern California, I find plastic floating in the sea." Chad Nelson, CEO of Surfrider Foundation // huff.to/2aG39nZ

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Greenwashing oder eine tolle Idee?

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2014 sah man das musikalische Supertalent Pharell Williams erstmals lässig von den GStar Werbeplakaten auf uns herabschauen. Der blaue Hintergrund und die hippen Zeichnungen von Tintenfischen und Plastikflaschen lassen schnell durchblicken, diesmal geht es nicht um Beats und Rap, sondern diesmal steht das Gesicht des smarten Musikers für den Schutz der Meere. ‚Raw for the Oceans’ heißt die Kampagne. Hier endet das Treibgut Plastik aus den Meeren in einer coolen Kollektion des niederländischen Modelabels GStar. Entstanden ist dieses Projekt in Zusammenarbeit mit Pharell Williams, den Materialentwicklern der New Yorker Agentur Bionic, von der Williams auch Teilhaber ist und Cyrill Gutsch. Gyrill Gutsch ist Initiator des Ganzen. Nach einem Treffen im Jahre 2012 mit Paul Watson, dem Begründer der bekannten Meereschutzorganisation Sea Sheperd, rief 2013 die Konferenz ‚Parley for the Oceans‘ins Leben. Ein Zusammenschluss aus Entscheidungsträgern und Kreativen, die gemeinsam das Bewusstsein für den Erhalt der Weltmeere in den Focus rücken wollen und an Strategien arbeiten, wie sich Dinge in die Richtung verändern lassen. Auch andere Marken wie zum Beispiel Adidas oder Levi’s mit ihrer ‚Waste Less Kampagne’, in der 20 Prozent gebrauchte und wiederverwertete Inhaltsstoffe verwendet werden, springen auf den grünen Zug auf. ….

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Cyrill Gutsch arbeitet seit Jahren als Markenberater für große Unternehmen wie Adidas International, Siemens Mobile, BMW und viele mehr. Er weiß also sehr gut, dass Firmen und Menschen nur etwas verändern werden, wenn es für sie auch wirtschaftlich rentabel ist. Die Konsumenten müssen also endlich umdenken und nach Produkten verlangen, mit denen man ein rundum gutes Gewissen haben kann. Das kann entstehen, wenn vom Produzent die Transparenz gegeben wird, so dass man Schritt für Schritt die Produktionskette verfolgen kann, ganz ohne vor sich selber die schwarzen Löcher darin entschuldigen zu müssen. Oder wie es Pharell Williams laut dem Tagesspiegel ausdrückt: „Man muss Nachhaltigkeit einfach sexy machen!“

Nun gut, aber was steckt wirklich dahinter. Wie soll das laufen? Und ist es wirklich sexy Plastik zu tragen?

Dieses Garn – bionisches Garn*- ist ein besonders widerstandsfähiges Produkt, das es laut der ‚Zeit’ auch ermöglicht zweitklassiges Billigplastik zu verarbeiten. Im Hinblick auf die immer wachsende Nachfrage nach Baumwolle ein wichtiger Schritt, aber wahrscheinlich leider nicht die Wurzel des Problems. (Stellt sich die Frage, warum immer mehr Billig-Modeketten eröffnen und den jungen Leuten suggerieren: Wirklich hipp ist, wer sich einmal die Woche neu einkleidet! Da greift die ‚Geiz ist Geil Generation’ bei Primark &Co. doch mal beherzt zu…. Quantität statt Qualität.)

Das Plastik wird geschreddert und zu feinen Fasern verarbeitet, die mit einem Naturprodukt wie Baumwolle oder Seide zu einem angenehmen Stoff verarbeitet werden. So, dass in der Faser ca. 45% recyceltes Plastik enthalten ist.

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Das Plastik wird durch weltweite Projekte gesammelt und soll über Container Leerfahrten zu den jeweiligen Orten, an denen es weiterverarbeitet werden kann transportiert werden. Bisher gibt diese wohl nur in Amerika, China und Indonesien.

Natürlich gibt es auch hier kritische Stimmen. Laut der ‚Zeit’ sieht die Deutsche Umwelthilfe das Ganze sehr bedenklich. Durch die Wiederverwertung und das Waschen der Kleidung lösen sich Microplastikpartikel, die in den Meeren eh schon großen Schaden anrichten. Die Mikropartikel werden von Kleinstlebewesen aufgenommen und so gelangen sie in die Nahrungskette, wo sie am Ende auch auf unseren Tellern und in unserem Körper landen. In einem Artikel im SWR heißt es, dass die Flaschen aus Europa nach Asien geschifft, dort zu Garn verarbeitet und dann wieder zurückgebracht werden, was natürlich umwelttechnisch nicht rentabel ist. Werden jedoch Leerfahrten von Frachtern genutzt, könnte sich die Ökobilanz verbessern. Vielleicht wird es bald auch für kleinere Unternehmen lukrativ Plastik zu recyceln, so dass die weiten Transportwege ganz wegfallen könnten. Interessant ist natürlich auch, unter welchen umwelttechnischen Standards das Plastik in Asien und den Staaten recycelt wird. Sind die relativ hohen europäischen Standards ein Grund, warum es sich hier noch nicht etabliert hat? Man wird nur durch Erfahrungswerte etwas über die Ökobilanz und die Rentabilität sagen können.

Es gibt auch Stimmen, die sagen, so werde es dem Konsumenten unserer Wegwerfgesellschaft zu einfach gemacht. Da sich das Denken und Handeln eines jeden Einzelnen ändern müsse. Man sollte einfach WENIGER konsumieren und wegkommen von dem Konsumwahn.

Stimmt natürlich. Wäre das schönste Ziel und Ergebnis, aber so etwas wird leider nicht von heute auf morgen in den Köpfen unserer konsumorientierten Gesellschaft passieren. Dafür ist auch viel Aufklärungsarbeit nötig, was wiederum nicht im Interesse eines jeden Unternehmens sein wird. Immerhin profitiert noch die Mehrheit der Lobbyisten von dem maßlosen Konsum. Es wird ein langwieriger Prozess werden, solange nicht gesetzlich viel strengere Regelungen gesetzt werden. Der Kapitalismus unserer ausnahmslos gewinnorientierten Gesellschaft ist auf Konsum angelegt. Natürlich wissen das Gutsch &Co. auch. Solange diese Strukturen von oben her starr am Leben gehalten werden, ist Recycling Kleidung doch ein Versuch, der sich lohnen könnte.

Jeden Tag ein bisschen Meer……

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#Earthtoparis

Ich weiß, es ist zur Zeit weltpolitisch einiges los, dennoch müssen wir Ende November alle nach Paris schauen. Dort findet die 21. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention und die 11. Vertragsstaatenkonferenz des Kyoto-Protokolls statt. Dieses Mal geht es darum, dass ein Nachfolgevertrag für das Kyoto-Protokoll und ein neues Abkommen mit verbindlichen Klimazielen für alle 195 Mitgliedsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention vereinbart wird. Wir haben gesehen, dass das Kyoto Protokoll keine Sau gejuckt hat. Nur durch politischen Druck von uns Bürgern können wir es schaffen, dass ein neues globales Klimaabkommen entsteht, an das sich die 195 Mitgliedsstaaten bindend halten müssen. Der CO2 Ausstoß hat alarmierende Werte erreicht!  

AUF GEHT’S!!!

…. und vielen Dank Alex für den tollen Film!!

 

Ocean Cleanup – Top oder Flop

Boyan Slat – sicher hat jeder von euch diesen Name in letzter Zeit einmal gehört. Boyan Slat, der vom Aussehen her ein wenig an den tapferen Frodo aus „Herr der Ringe“ erinnert. Der smarte Holländer und seinem Megaprojekt, das Ocean Cleanup Projek , mit dem er die Weltmeere in absehbarer Zeit von den unfassbaren Mengen an Plastikmüll säubern möchte.

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Vor drei Jahren stellte der damals 17 jährige seine Idee in der TEDx Show in Delft vor. Er berichtet davon wie er beim tauchen in Griechenland mehr Plastik zu sehen bekam als Fische. Getrieben von diesem Erlebnis und der Frage, warum niemand auf der Welt etwas gegen diese massive Verschmutzung der Meere unternimmt, arbeitet Slat Tag und Nacht an der Verwirklichung seiner Idee. Er entwickelt mit einem internationalen Team aus über 100 Freiwilligen, darunter viele Wissenschaftler aus verschiedenen Fachbereichen, die technische Umsetzung des Ocean Cleanup Konzepts.

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Von einer schwimmenden Plattform sollen zwei jeweils 50 Kilometer lange Arme abgehen, an denen eine drei Meter tiefe Plastikbarriere als Filter fungiert, die am Meeresboden in bis zu 4000 m Tiefe befestigt wird. Der treibende Plastikmüll wird durch diese in vorgesehene Filtertrichter gelenkt und so gesammelt, während Fische und Algen unter ihr hindurchschwimmen oder treiben können. In der mittigen Plattform wird der Plastikmüll gesammelt und alle paar Jahre entleert und an Land gebracht um dort recycelt zu werden, wodurch ein Teil der Kosten des Projekts gedeckt werden sollen.

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Ich möchte jetzt gar nicht zu sehr auf die Details der Konstruktion eingehen jedoch findet ihr unter den folgenden Links die über 500 Seiten lange Machbarkeitsstudie sowie die meistgestellten Fragen plus die Antworten dazu. (http://www.theoceancleanup.com/fileadmin/media-archive/theoceancleanup/press/downloads/TOC_Feasibility_study_lowres.pdf)

(Hier werden alle möglichen Fragen beantwortet: http://www.theoceancleanup.com/faq.html)

Slat stößt auf zunächst auf viel positive Resonanz, 2012 erhält er den ISea-Design_Preis und 2013 wird er beim Intl EYE50-Top-Thinkers Wettbewerb zu den „Most Promising Young Entreprneurs“ erklärt. Seine starke Internetpräsenz und extrem gute Social Media Arbeit verhelfen ihm zu einem schnell wachsenden Bekanntheitsgrad. 2014 bekommt Slat über eine Crowdfunding Kampagne in hundert Tagen 2 Millionen Dollar zusammen, die er benötigt um in die Pilotphase zu starten. Ein erster Testlauf fand im Gebiet der Azoren statt. Doch es gibt auch jede Menge Skeptiker aus den Reihen der Wissenschaft. Die Konstruktion könne den Wetterbedingungen auf hoher See niemals standhalten, heißt es.

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Laut der Machbarkeitsstudie ist dieser Punkt widerlegt. Slat nutzt Wissen und Materialien führender Unternehmen des Offshore Bauwesens. Zu 95% der Fälle sollte die Konstruktion halten, eine Garantie kann es natürlich nie geben…. (Man denke an die Titanic…) Manche Meereswissenschaftler befürchten, dass durch das Plastik auch viele wichtige Planktonarten und Bakterien, die das Plastik besiedeln, aus dem Meer genommen werden. Auch in diesem Falle beruhigt Slat die Kritiker, da falls dies der Fall sein sollte, die negative Auswirkung nicht stark ins Gewicht fallen werde. Größere Tiere oder Algen können unter dem drei Meter tiefen „Vorhang“ drunter herschwimmen bzw. treiben, da der Weg von dem Arm bis zu dem Container in der Plattform lang ist und Strömungswechsel selbst passive Schwimmer wieder nach unten befördern.

Nun zu dem Punkt, dass Slat der Plastikindustrie in die Arme spiele.

Hoffentlich wird fast allen von uns klar sein, dass sich im Verhalten der Menschen und vor allem der Industrielobby etwas verändern muss. Der Plastikkonsum MUSS massiv eingeschränkt werden, na klar! Nur wird dieses Umdenken leider eine Weile dauern dauern, da der Mensch durch Plastik auch viel Comfort und Bequemlichkeit erfährt, und die Lobbyisten kein großes Interesse an wirtschaftlicher Veränderung haben. Bis dahin ist das Ocean Cleanup Projekt einfach ein toller Ansatz, auch wenn es Kritik und Fragen hagelt, denen sich Slat jedoch gerne stellt! Gerade dadurch kann er sein Projekt mehr und mehr optimieren.

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2016 soll die erste Anlage in Einsatz kommen. Sie wird mit einer Länge von 2000 Metern als bisher längstes schwimmendes Konstrukt in den Gewässern zwischen Japan und Südkorea aufgestellt werden und Boyan Slat und sein Team einen weiteren Schritt in Richtung weltweiter Realisierung des Projekts bringen. Innerhalb der nächsten fünf Jahre wollen sie eine 100 Kilometer lange Vorrichtung zwischen Hawaii und Kalifornien errichten um die Hälfte des Great Pacific Garbage Patch zu beseitigen. Die Kosten für die Testkonstruktion in Asien liegen liegen laut Spiegel bei 250 Millionen Euro. Das klingt viel, wenn man jedoch bedenkt, dass der G7 Gipfel in Bayern 350 Millionen Euro gekostet hat. 350 Millionen Euro dafür, dass sich sieben Regierungschefs zwei Tage getroffen haben um…. ja was eigentlich nochmal?????

Aktive Mitwirkung von Urlaubern – Gummitiere vermehren sich erfolgreich im Meer

Bald ist es wieder soweit – die Zeit der Sommerferien beginnt! Im Minutentakt landen komplett ausgelastete Flieger auf den völlig überlaufenen Flughäfen diverser Urlaubsinseln wie Mallorca, Ibiza und vielen anderen, die sich gerade bei uns Deutschen aber auch anderen Nordeuropäern großer Beliebtheit erfreuen. Ladungen voller urlaubsreifer Touristen, in freudiger Erwartung auf ihren heißersehnten Jahresurlaub, Mama gestresst vom Schulnotenmarathon vor den Ferien, Papa kurz vorm Burnout durch den Bürostress und die Kinder plärren ich will, ich kann nicht mehr, wann sind wir da… Mit Kind und Kegel wird das Gepäck in den viel zu kleinen Mietwagen – Mama flucht, Papa rinnt der Schweiß von der Stirn, alle in Gedanken schon längst auf der Liege am Strand, ein kühles Bier in der Hand.

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Nach sich wie Kaugummi ziehenden Stunden ist das Ziel endlich erreicht und leicht beschwingt und leicht bekleidet macht sich die Familie auf zum Strand. Entlang der Strandpromenade findet man ein Glück Lädchen in denen man alles kaufen kann, was den Strandtag zu einem unvergesslichen Erlebnis macht…..und die quengelnden Kinder bedient. Es ist so einfach – ein Eis und etwas Plastik. Jeder sucht sich was aus dem meeeeeega Angebot aus. Gummikrokodiele, Gummihaie, Gummiboote, Luftmatratze, Eimer, Schaufel, Wasserpistole, Wassermaschinengewehre, Frisbees undundund… Da weiß Klein Jason nun gar nicht, was er nehmen soll. Doch Papa ist großzügig, man macht ja nur einmal im Jahr Urlaub! …. und Klein Jason hat Glück, bis zum Ende der zwei Wochen hat er im Hotel einen wahren Plastikschatz angesammelt. Ball, Schaufel, Knarre, Gummi-Nemo…. alles seins! Nur was passiert mit dem neuen Schatz, wenn der Ulaub sich dem Ende zuneigt und klein Jason wieder nach Hause fliegen muss? Hmmm… Mama hat sich ja auch so viele schicke Strandtücher gekauft, dann die ganzen Souvenirs für Tante Ida und Onkel Heinz…die eigenen vielen Mitbringsel…nein, man muss ja Prioritäten setzen, das Plastikzeugs bleibt hier! … hat ja eh nicht viel gekostet!

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So geht es wohl tausendfach jeden Sommer zu … was bleibt sind Berge von verlassenem Kinderspielzeug an den Stränden und in den Hotels. Da kann sich jeder an zehn Fingern abzählen, was mit den Dingen passiert… ein kleiner Teil landet auf dem Scheiterhaufen der örtlichen Müllentsorgung, und der größte Teil hingegen gesellt sich zu den Fischen und Muscheln im Meer!

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Könnte diese Plastikmenge jeden Sommer nicht eingedämmt werden? Wie soll man denn das schaffen ohne den Kleinen den Spaß am Strand zu verderben, werden sich einige denken.

Ein Ansatz bietet das Cradle to Cradle Projekt, das sich damit beschäftigt biologisch abbaubares Strandspielzeug für Kinder herzustellen.

(https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/1_3_f_cradle_to_cradle_vision_1544.htm)

(http://www.plastverarbeiter.de/49625/cradle-to-cradle-islands-projekt-biologisch-abbaubares-strandspielzeug/).

Man sollte generell darauf achten, welches Plastikspielzeug man kauft. Es gibt mittlerweile schon einige „grüne“ Anbieter. Der erste Schritt ist, sich darüber bewusst zu werden, dass das Spielzeug noch lange weiter existiert, auch wenn man selber schon wieder im grauen Alltag auf der Arbeit sitzt und vom blauen Meer träumt! … jeden Urlaub etwas Meer!

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Ich freue mich, euch ein Interview mit Dr. Melanie Bergmann vom Alfred Wegener Institut anbieten zu können zum Thema: Plastik in der europäischen Tiefsee!

Frau Dr. Melanie Bergmann ist Meeresbiologin am Alfred – Wegener Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Das Institut betreibt meeres- und polarwissenschaftliche Forschung in der Arktis, Antarktis und auch in gemäßigten Breiten. Dr. Bergmann gehört zu einem internationalen Forscherteam, das die Verbreitung des Mülls in den europäischen Meeren untersucht. Zu den 32 Meeresgebieten die untersucht wurden gehört das Mittelmeer, der Nordatlantik und der Arktische Ozean. Rund 2.100 Aufnahmen des Meeresbodens, Videoaufnahmen und Bodenproben, die mit Hilfe von Grundschleppnetzen genommen wurden, wurden untersucht. Die Ergebnisse sind alarmierender als angenommen, von küstennahen Gebieten bis hin zur Tiefsee – es gibt keine müllfreien Regionen mehr in den Ozeanen.

Frau Dr. Bergmann, Sie waren für diese europaweite Studie unterwegs, mit deren Hilfe die Verbreitung des Mülls in den europäischen Meeren erfasst werden soll. Wie kam es überhaupt zu dieser Idee und können Sie kurz was zur Methodik dieser Erfassung sagen?

Nach HERMES, einem EU- Projekt das sich mit dem Thema Biodiversität der europäischen Tiefsee beschäftigt hat, erforschten wir mit dem Folgeprojekt HERMIONE die Auswirkungen menschlichen Handelns auf die Ökosysteme der Tiefsee. Dabei ging es neben Klimawandel und Fischerei um Umweltverschmutzung, insbesondere die Vermüllung der Meere. Um den tasächlichen Grad der Vermüllung in der europäischen Tiefsee zu erfassen, wurde bereits vorhandenes Bildmaterial untersucht. Diese Bilder wurden im Vorfeld durch am Meeresboden geschleppte Kamera-Systeme und Tauchrobotern erstellt. Zusätzlich wurden im Mittelmeer Grundschleppnetzfänge in Hinblick auf Müll untersucht. Mit erschreckendem Ergebnis: der Müll wog zum Teil schwerer als die gefangenen Tiere.

Gibt es schon weltweite Studien zu diesem Thema? Ist es überhaupt möglich, weltweite Studien zu diesem Thema zu starten?

Letztes Jahr gab es eine ansatzweise weltweite Studie zum Thema Müll im Meer. Allerdings wurden hier einmal mehr nur an der Meeresoberfläche treibender Müll erfasst. Also ist es nicht verwunderlich, dass die Ergebnisse ein bis drei Größenordnungen unter Schätzungen des globalen Mülleintrags in die Ozeane liegen. Es gibt also momentan eine große Lücke, die nicht allein mit dem Zerfall von Plastik in kleinere Mikroplastik-Teilchen erklärt werden kann. Es stellt sich die Frage: Wo landet all das Plastik? Entgegen der gängigen Meinung, Plastik sei so leicht, dass es in erster Linie an der Wasseroberfläche schwimmt, weist die Dichte verschiedener Kunststoffe darauf hin das ca. die Hälfte zum Meeresboden sinkt und ein weiterer Teil in der Wassersäule, dem Wasserkörper zwischen der Meeresoberfläche und dem Meeresboden, schwebt. Was viele Studien, die sich mit dem Thema Müll im Meer befassen zeigen ist also nur die Spitze des Eisberges – der Großteil des Mülls liegt unentdeckt in der Tiefsee.

Ein großes Problem bei der weltweiten Erfassung von Müll ist, dass momentan häufig keine Standards eingehalten werden, d.h. die Ergebnisse verschiedener Studien lassen sich hinterher nicht vergleichen. Es fängt schon damit an, dass manche Studien Müllstücke zählen, andere wiegen sie nur; manche geben Müllstücke pro Quadratmeter an, andere pro Meter. Das alles führt dazu, dass die Studien z.B. nicht in einer quantitativen Karte dargestellt werden können.

(Eriksen, M., Lebreton, L.C.M., Carson, H.S., Thiel, M., Moore, C.J., Borerro, J.C., Galgani, F., Ryan, P.G., Reisser, J., 2014. Plastic Pollution in the World’s Oceans: More than 5 Trillion Plastic Pieces Weighing over 250,000 Tons Afloat at Sea. PLoS ONE 9, e111913.Jambeck, J.R., Geyer, R., Wilcox, C., Siegler, T.R., Perryman, M., Andrady, A., Narayan, R., Law, K.L., 2015. Plastic waste inputs from land into the ocean. Science 347, 768-771.)

Wie alarmierend ist das Ergebnis dieser umfangreichen Untersuchungen?

Es ist besorgniserregend, denn unsere Studie hat gezeigt, egal wo man guckt, man auch fündig wird. Und das selbst Orte betroffen sind, von denen man es wirklich nicht erwartet hätte, wie z.B. die arktische Tiefsee, welche fernab von menschlichen Ballungsräumen liegt. Dies verdeutlicht, in welchem Maß Plastikmüll sich verbreitet. Aufgrund des jährlichen Produktionszuwachses, seiner Leichtigkeit und der Langlebigkeit.

Um was für Müll handelt es sich in erster Linie? Und welches sind die wohl größten Müllquellen?

Die meisten Studien finden zu 50-90 % Plastikmüll. Es kursiert immer wieder die Angabe, 80 % des Mülls seien landbasiert und der Rest komme vom Meer z.B. durch Schifffahrt oder Fischerei. Dennoch weiß keiner genau, woher diese Zahlen stammen. Es gibt verlässliche Schätzungen für landbasierten Müll (2010: 4,8 – 12,7 Millionen t). Das Problem liegt natürlich bei der Schätzung des meerbasierten illegalen Mülls, doch selbst wenn diese Zahlen global gesehen einigermaßen hinkämen, ist es lokal gesehen nicht wirklich relevant. Denn an der Stelle, wo ein Schiff seinen Müll auf See verklappt, stammt der Müll zu 100 % vom Meer.

Immer häufiger hört man das Wort Microplastik in den Medien. Was genau versteht man unter dem Begriff und welche Rolle spielt es in dem Ökosystem Meer. Welche besonderen Gefahren bringt es mit sich – auch für uns Menschen?

Als Mikroplastik bezeichnet man Plastikteilchen, die je nach Definition kleiner als 5 mm oder kleiner als 1 mm sind. Diese entstehen entweder durch den Zerfall größerer Plastikteile (durch Licht, Temperaturunterschiede, mechanischen Abrieb, Verdauung) oder wurden von vorne herein so produziert und eingesetzt, z.B. im Bau, Kosmetika, Zahnpasten. Ein Verbot könnte hier einiges bewirken. Mikroplastik-Fasern entstehen auch in der Waschmaschine, wenn synthetische Textilien mitgewaschen werden. So wurden in dem Abwasser eines Waschgangs 1000-2000 solcher Fasern nachgewiesen, und leider werden diese häufig keinesfalls von den Klärwerken herausgefiltert und gelangen so ins Meer.

Die Gefahr könnte darin liegen, dass diese Teilchen leichter von einer großen Zahl von Tiergruppen aufgenommen werden kann, auch unbeabsichtigt z. B. über Kiemen. Auf diesem Weg gelangen sie in die Nahrungskette und können sich anreichern. Zu den Auswirkungen gibt es allerdings bislang so gut wie keine Ergebnisse, wahrscheinlich hängen diese stark davon ab, wie lange diese Partikel im Tier verbleiben. Wenn sie schnell wieder ausgeschieden werden, richten sie vermutlich keinen so großen Schaden an, aber auch dazu wissen wir sehr wenig.

Ein Problem könnten die dem Mikroplastik anhaftenden Giftstoffe sein. Das sind zum einen Stoffe, die den Polymeren bereits bei der Produktion zugesetzt wurden, um bestimmte Eigenschaften zu erzielen (Flammschutz, höhere Langlebigkeit, Weichmacher). Zum anderen können sich im Meer weitere Giftstoffe an Mikroplastik-Teilchen anhaften und so mit in die Nahrungskette gelangen. Hier kommt es wahrscheinlich auf das Konzentrationsgefälle an. Einige Modellstudien weisen in der Tat darauf hin, dass Mikroplastik auch Giftstoffe aus besonders belasteten Organismen aufnehmen könnten und mit ihm ausgeschieden werden könnten.

Als noch viel gefährlicher einzustufen sind wahrscheinlich Nano-Plastikteilchen, denn diese können sogar in die Zellen gelangen und Zellmembranen passieren und beeinflussen die Photosynthese von Süßwasser-Algen. Darüber ist so gut wie gar nichts bekannt.

Mein Blog SeaAndTheCity bezieht sich ja auf den engen Zusammenhang zwischen den Menschen unserer Städte, Konsumverhalten und der umweltpolitischen Situation unserer Meere. Was konkret bedeutet das Ergebnis dieser Studie für jeden von uns? Gibt es überhaupt noch eine Chance, die Situation der Weltmeere in den Griff zu bekommen? Was kann Ihrer Meinung nach jeder einzelne von uns unternehmen, damit sich die Situation der Ozeane verbessert?

Das ist schwierig. An oberster Stelle steht natürlich, die Entstehung von Plastikmüll zu vermeiden, aber das ist gar nicht so einfach für den einzelnen, wenn selbst Bio-Produkte in Plastik verpackt werden.

Obwohl natürlich jeder einzelne dafür in der Verantwortung steht, so wenig Müll wie möglich zu produzieren, wehre ich mich doch ein bisschen dagegen, die ganze Verantwortung auf die Konsumenten abzuwälzen. Letztlich ist Plastik momentan zu billig. Würden die Kosten, die durch Umweltschäden und die Müllbeseitigung entstehen (einige Strände, z.B. auf Borkum, müssen jeden Tag von Müll ‚gereinigt‘ werden) berücksichtigt, wäre Plastik viel teurer. Das würde dazu führen, dass andere Alternativen stärker in Betracht gezogen würden, bzw. dass es -wie vor Einführung des dualen Systems in Deutschland- weniger (Um-)Verpackungen gäbe. Ich möchte hier keinesfalls alle Plastikprodukte verteufeln aber Plastik muss wieder verantwortungsvoll als Wertstoff eingesetzt werden und weniger als Wegwerf-Artikel Verwendung finden.

Ansätze wären zum Beispiel:

  • Probieren, Produkte zu kaufen, die weniger verpackt sind, z.B. durch Einkauf auf dem Wochenmarkt
  • keine neuen Plastiktüten zu benutzen
  • Insbesondere am Strand, Fluss, See oder überhaupt im Freien darauf zu achten, keinen Müll (auch keine Zigarettenkippen) zu hinterlassen, der ins Meer wehen oder fließen könnte
  • Müll auch in der Stadt so zu entsorgen, dass er nicht wegweht
  • Kosmetika und Zahnpasten mit Mikroplastiks meiden (s. BUND-Einkaufratgeber: http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/pdfs/meere/131119_bund_meeresschutz_mikroplastik_produktliste.pdf )

Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview! … auch wenn die Ergebnisse alles andere als schön sind! Ein Grund mehr für jeden von uns selbst etwas zu verändern…. jeden Tag ein bißchen Meer!

 

 

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